Chronik

 

Schützen- und Gesangsverein Metzlersreuth

 

Man schreibt das Jahr 1902. Ein neues Jahrhundert ist gerade im Anbruch

und in der Welt schreitet die Industrialisierung unaufhörlich vorwärts.

Die Kluft zwischen Arm und Reich, Arbeiter und Industriellen vergrößert sich von Jahr zu Jahr.

Die Arbeiterfamilien in den Städten leben am Rande des Existenzminimums. Von all dem unbelastet und beschaulich lebt es sich jedoch auf dem Lande, besonders in dem urigen Dörfchen Metzlersreuth, bei Berneck, wie es in den Chroniken so schön vermerkt ist.

Alte Traditionen werden noch gepflegt und man versorgt sich selbst und lebt bescheiden von der Landwirtschaft und dem Handwerk.

Vielleicht ging es den Metzlersreuthern, besonders den männlichen Einwohnern, den es an einer Portion Schlitzohrigkeit noch nie mangelte, ein wenig zu beschaulich und harmonisch zu und man überlegte, wie man sich ein wenig Abwechslung in den harten Arbeitsalltag beschaffen konnte.

 

An Wirtshäusern mangelte es nicht, existierten in Metzlersreuth zu diesem Zeitpunkt noch zwei davon, eines im oberen und eines im unteren Dorf.

Die Männer fackelten nicht lange und überlegten sich, es den Marktschorgastern gleich zu tun, die schon länger über einen sogenannten Zimmerstutzenverein verfügten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

So gründeten die Metzlersreuther im Jahre 1902 ihren "Zimmerstutzenverein Metzlersreuth" und wurden von dem hohen Protektor und Ehrenpräsidenten, seiner Excellenz Freiherr von Roman, den königlichen Regierungspräsidenten von Oberfranken in den oberfränkischen Zimmerstutzen - Schützenbund aufgenommen.

Sogleich wählte man eine Vorstandschaft die sich wie folgt zusammensetzte.

1. Vorstand: Herr Panzer, Ad., Musiker, 2. Vorstand: Herr Vogel, G. Metzger und Gastwirt,

Schriftführer: Herr Panzer A., Bau- und Möbelschreiner, Kassier: Herr Springer, Frdr., Steinhauer.

Zwölf gestandene Metzlersreuther Mannsbilder durften sich zu den ersten Mitgliedern zählen.

Frauen waren zu dieser Zeit undenkbar, in einem Zimmerstutzenverein. Mitglieder waren die Herren:

Brey Ernst, Steinhauer; Dietel Johann, Ökonom; Müller Andreas, Ökonom;

Müller Nikol. Ökonom; Panzer Ad. Musiker; Panzer Ad., Bau- und Möbelschreiner;

Springer Friedrich, Steinhauer; Vogel Georg, Metzger und Gastwirt; Vogel Heinrich, Müller und Ökonom;

Vogel Johann Nikolaus, Ökonom und Bürgermeister; Werner Georg, Straßenwärter; Wolfrum Sebald, Steinhauer.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Man bestimmte, sich von nun an am 1. und am 3. Sonntag im Monat im oberen Lokal der Vogel' schen Gastwirtschaft "Zur Linde", die sofort als Schiesslokal umfunktioniert wurde, zu treffen.

Dies war der Beginn von ereignisreichen und sehr ausgefüllten Jahren. Schoss man zu Beginn der Gründung noch zwei Mal im Monat regelmäßig, reduzierte sich dies im Laufe der ersten Jahre auf zwei Mal im Jahr.

Im Frühling und im Herbst. Dennoch war man nicht untätig.

Zu den Aufgaben und Unternehmungen des Vereins gehörten nicht nur regelmäßige Treffen im "Gasthaus zur Linde", dem Vereinslokal, sondern auch das kräftige Musizieren und vor allem das Singen. Was bedeutete das der Zimmerstutzenverein auch noch ein Gesangsverein wurde.

Dies nahm man aber erst viel später in den Namen des Vereins mit auf.

In den ersten Jahren wählte man jährlich eine neue Vorstandschaft und in der Vereinskasse sammelten sich nie mehr, als um die 400 Reichsmark.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1927 spielte man erstmals Theater in Metzlersreuth.

Zwar tat man dies in unregelmäßigen Abständen, aber dennoch war das halbe Dorf beteiligt und man spielte für das Dorf.

Selbstverständlich nur Tragödien und traurige Stücke.

 

Am Anfang der dreißiger Jahre trat jedoch nicht nur in die Welt ein gewaltiger Schatten, sondern auch in jeden kleinsten Ort.

In Metzlersreuth begann es damit, dass man aus der Kasse des Vereins eine Abgabe an den Führer zahlen musste, um den nahestehenden Krieg zu finanzieren, was natürlich noch nicht bewusst war.

 

Dann schob sich der Krieg dazwischen und der Zimmerstutzenverein wurde, verboten.

 

Endlich, 1949, wurde abermals ein neuer Anlauf gemacht.

Allerdings gründete man erst einmal nur einen Gesangsverein, der sogleich 35 Mitglieder erfasste.

Unter der Leitung des Lehrerehepaares Pommer wurde im Schulhaus kräftig gesungen und sogar ein Klavier angeschafft, zu dem natürlich jedes Mitglied etwas beitragen musste.

So sang man erst einmal ein Jahr, aber das Schießen der eigentliche Hauptbestandteil des Vereins war immer noch in den Köpfen der Metzlersreuther.

 

1950 endlich, durften die Mitglieder des Vereins wieder ihrem Schießen nachkommen; wie erwähnt zwei Mal im Jahr.

 

Ab dann folgten die Ereignisse Schlag auf Schlag.

1952 wurde die Laienspielgruppe Metzlersreuth erstmals in der MHZ - Zeitung erwähnt und der Verein feierte in diesem Jahr im "Gasthaus zur Linde" 50jähriges Vereinsjubiläum.

Dazu wurden die Gesangsvereine Bärnreuth und Lützenreuth eingeladen und das Dorf war aufgefordert rege zu erscheinen und kräftig an den Feierlichkeiten teilzunehmen.

 

Schließlich gründete man 1953 unseren heutigen Schützen- und Gesangsverein Metzlersreuth.

Dieser war die Garantie für Feste, Kulturelles und vor allem Abwechslung vom Arbeitsalltag.

Besonders prägend hierfür waren die alljährlichen Vereinsausflüge, die auch heute noch traditionell stattfinden.

 

Damals besuchte man bereits mit dem Bus den gesamten Frankenwald, Rothenburg ob der Tauber, Nürnberg oder Kelheim.

Für die Mitglieder damals der Höhepunkt im Vereinsjahr und eine gute Gelegenheit aus den Grenzen des Dorfes hinauszublicken.

 

Auch das Theater wurde ausgefeilter und gehörte nun jährlich zu den Höhepunkten der Vereinsgeschichte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weiter wurde jährlich ein Weinfest gehalten, dass regen Zuspruch fand, sich aber ausschlich und im Jahr 2001 erstmals wieder stattfand.

 

Heute umfasst der Metzlersreuther Schützen- und Gesangsverein 150 Mitglieder.

Junge wie alte, Frauen wie Männer. Zum Vereinsjahrprogramm gehören nicht nur die Jahreshauptversammlungen, sondern vor allem und besonders das Theater, welches aus Metzlersreuth nicht mehr wegzudenken ist.

 

Weiterhin folgt dann das traditionelle Bier-und Pfingstfest der Metzlersreuther, was regen Besuch hat.

Der Vereinsausflug im Herbst, sowie natürlich das jährliche Schießen mit der Krönung des Schützenkönigs gehören ebenso zum Vereinsjahr.

Seit einigen Jahren Metzlersreuth auch eine Dorfweihnacht und ein Adventssingen, welches die "Metzlersreuther Sirenen" die "Metzlersreuther Sänger", aber auch vor allem die Kinder ausgestalten.

Diese beiden Veranstaltungen entwickelten eine große Beliebtheit und sind aus dem Vereinsrepertoire nicht mehr wegzudenken.

 

Die Metzlersreuther können auf ein erfüllte und sehr prägende 100jährige Vereinsgeschichte zurückblicken

und sie können auch ein klein wenig Stolz sein auf ihre Schlitzohrigen Vorfahren,

denen es schon immer ein wenig zu langweilig war ohne Feste, Feiern und ein bißchen Action.